«Paxion» – Psychosozialer Support für geflüchtete Menschen
Foto: Cornelius Fischer
Der Verein Paxion, psychosozialer Support für Geflüchtete, mit Standorten in Aarau und Zug, erbringt seit Oktober 2024 psychosoziales Counseling von Geflüchteten für Geflüchtete. Gemeint ist damit eine neue niederschwellige psychologische Beratung.
Paxion übernimmt einen international erprobten Ansatz, genannt Value Based Counseling VBC®, wie Initiantin und Geschäftsleiterin Esther Oester erklärt. Wie kam die Ökonomin auf diese Idee? Sie war rund 25 Jahre für den Bund und für private Hilfswerke – darunter das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) — in der internationalen Zusammenarbeit tätig. An sehr vielen internationalen Brennpunkten war Esther Oester vor Ort, zum Beispiel im Bürgerkriegsgebiet im Südsudan oder im Krieg in Afghanistan. Schliesslich kam sie zurück in die Schweiz. Doch die dortigen Schrecknisse liessen sie nicht los. Die häufige sexualisierte Gewalt in vielen Kriegsgebieten zeigten ihr, «dass es nicht reicht, Brunnen zu bauen. Die psychische Gesundheit der Menschen ist ebenso wichtig. Unzählige erleben massive Gewalt und leiden enorm. Und die ganze Familie leidet mit.»
Viele Geflüchtete haben schwere Gewalt erlebt
Viele Flüchtende tragen diese Traumata mit sich, die sie im Heimatland und/oder auf der Flucht erlitten haben. Das erlebt Esther Oester in der Schweiz immer wieder. Wie kann man helfen? 2018 hörte Esther Oester von Inge Missmahl, der Gründerin der Organisation Ipso, mit der in Deutschland Flüchtlinge zu psychosozialen Beratern ausgebildet werden. Esther Oester trat mit ihr in Kontakt, und von da an wusste sie, was zu tun ist — in der Schweiz so eine Hilfsorganisation aufbauen.
Doch das braucht Sukkurs, finanzielle Mittel und enorme Ausdauer. Geld bekommt Paxion jetzt vom Bund sowie von den Kantonen Aargau (anfänglich die Weiterbildung aus dem Lotteriefonds, seit 2024 die Beratungen aus dem Sozialbudget) und Zug. Doch um wirklich helfen zu können, muss man erst Geflüchtete finden, die im Heimatland idealerweise eine Psychologieausbildung hatten und die man als Counselors aus- und weiterbilden kann. Aktuell verfügt Paxion über zehn teilzeitlich angestellte Counselors. Diese müssen ihrerseits Hürden überwinden, um helfen zu können. So gilt es, das Angebot für Personen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die unter leichten bis mittelschweren psychischen Belastungen leiden, bekannt zu machen.
Viele Traumatisierte schweigen aus Scham. Sie sind schwer zu erreichen. Doch wenn aus ihnen das Erlebte herausbricht, «dann wird in unseren Beratungen am Anfang fast nur geweint», sagt Esther Oester mitfühlend. Die Counselors (die derzeit Farsi, Dari, Kurdisch, Arabisch, Ukrainisch und weitere Sprachen abdecken) versuchen in bis zu acht Sitzungen, nach der Methode VBC®, die Hauptbeschwerde Geflüchteter herauszufinden und mit ihnen daran zu arbeiten. Viele Geflüchtete fühlen sich völlig wertlos, beobachtet Esther Oester. Ihnen versuchen die Counselors, «zum Beispiel über einen Perspektivenwechsel aufzuzeigen, welche Ressourcen sie haben, daraus Kraft zu schöpfen und einen Weg zu finden».
60 000 Franken von der STIFTUNG LEBENSRAUM AARGAU
Paxion-Vorstandsmitglied ist nebst anderen Hans-Peter Fricker, früherer Generalsekretär des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Über ihn erfuhr Esther Oester von der STIFTUNG LEBENSRAUM AARGAU. Das Gesuch um 60 000 Franken wurde gutgeheissen, wofür Esther Oester herzlich dankt. Das Geld fliesst in dieses sehr innovative und hoffnungsvolle Pilotprojekt in drei Tranchen, verteilt über dessen Dauer 2025 bis 2027.
Im Herbst wird Esther Oester pensioniert. Bis dahin will sie sicherstellen, dass Paxion verstetigt werden kann. Und wer weiss, vielleicht machen künftig ja auch andere Kantone bei diesem äusserst hilfreichen Angebot mit? Zu wünschen wäre es sehr.
Mehr Informationen: paxion.ch
