Linie Null
Fröhliche Fahrt nach nirgendwo
Autor: Mathias Küng
Foto: Michael Küng
Die Verantwortlichen der RVBW Baden Wettingen haben im Frühjahr 2026 mit dem Kunstprojekt «Linie Null» von Frank und Patrik Riklin vielen Menschen unbeschwerte Fahrten, spontane soziale Kontakte und schlicht Freude bereitet.
Das verfolgte Ziel des Projekts war es, die Grenzen zwischen Kunst, öffentlichem Raum und gesellschaftlicher Interaktion zu überwinden. Dazu wurde neu die Linie Null aufgebaut, ein RVBW-Bus in eine mobile Kunstinstallationen verwandelt, der ohne festen Fahrplan unterwegs ist. Die Linie Null soll den öffentlichen Raum erlebbar machen und die Passagiere zu spontanen Begegnungen und Reflexionen über ihre Alltagsroutinen anregen.
So stellte das Projektteam auch bei der Stiftung LEBENSRAUM AARGAU ein Gesuch um einen Beitrag. Die Stiftung sprach dafür 10 000 Franken aus dem Fachbereich «Kunst & Kultur».
Im Bus, der drei Wochen als «Linie Null» unterwegs war, ging buchstäblich die Post ab. Bald mussten die Kurse doppelt geführt werden, erzählt Simona Hofmann freudestrahlend. Trotzdem gab es viele Stehplätze auf der Fahrt ins Nirgendwo. Doch niemand beschwerte sich.
Vielmehr herrschte gelöste, fröhliche Stimmung. Partytime kam auf, wenn der Bus einen Kreisel zweimal umkurvte. Manche winkten dem Bus, von zwei Passantinnen gab es Kusshände. Die Passagiere kamen auf der kostenlosen Sightseeingtour auf dem RVBW-Netz zwanglos ins Gespräch.
Hochzeitstag in der Linie 0
Die Freude angesichts der schätzungsweise 1300 sehr unterschiedlichen Passagieren ist riesengross, bilanziert Simona Hofmann: «Ich fühlte mich wie in einer happy line. Ein absoluter Mehrwert.» Manche Mitfahrende kamen gar aus anderen Kantonen angereist. Ein Ehepaar feierte im Bus den 26. Hochzeitstag, worauf die RVBW spontan für passende Getränke sorgte. Besonders freut Hofmann, dass es gelungen ist, ein breites Publikum anzusprechen und abzuholen. Kultur finde nicht nur in Konzert- und Theatersälen statt, man müsse sie viel breiter denken, so Hofmann.
Das Projekt «Linie Null» hat international Schlagzeilen gemacht. Projektbeteiligte waren die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin, die Künstlerin, Regisseurin und Theatermacherin Simona Hofmann aus Wettingen vom Verein Zukunftslabor, der Designer und strategische Design-Coach Urs Dätwiler, sowie Irina Leutwyler, Direktorin der RVBW.
Das Experiment, für dessen Realisierung es viel Beharrlichkeit brauchte, wird nun ausgewertet. Es dürfte Nachahmung finden. Die Brüder Riklin haben bereits Anfragen dafür.
Mehr Informationen: rvbw.ch/fahrplane/linienull